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Als ich fünfundzwanzig wurde, war mein Leben schon vorüber – das jedenfalls bildete ich mir ein. Wäre ich ein Teenage-Girl in einer Soap-Opera gewesen, hätte man mich vielleicht eine Drama Queen genannt, aber ich war kein Girl und ein Teenager war ich auch nicht mehr. Mein Problem? Eine seltsame Krankheit ohne Namen. Die meisten Ärzte nannten es einfach „chronische Schmerzen“. Ich hatte das schon als Kind in den Beinen, aber jetzt breitete es sich in meine Arme aus.
Seit ich die Schmerzen in den Beinen hatte, konnte ich nicht mehr gross herumrennen, aber ich konnte noch gehen wie ein normaler Mensch. Ich vermisste das Rennen und den Rausch, den es mit sich bringt, aber ich hatte immerhin noch so etwas wie ein normales Leben. Jetzt, mit den Schmerzen in den Armen, änderte alles, was daran liegt, dass die Hände an den Armen angemacht sind. Meine Hände. Ich konnte meine Hände nicht mehr brauchen. Das stimmt zwar nicht ganz, ich konnte meine Hände nämlich schon noch brauchen, aber es brachte leider immer stärkere Schmerzen, je länger ich es tat. Hörte ich damit auf, verschwanden die Schmerzen nicht einfach. Es dauerte Tage oder sogar Wochen, bis die Schmerzen abgeklungen waren.
Eine solche Krankheit zeigt dir zwei Dinge: Erstens, welche Schlüsselrolle die Hände in deinem Alltag spielen. Es war wie eine Bombe, die nicht aufhörte zu explodieren. Während Monaten, ja, Jahren, musste ich jeden Tag etwas Neues entdecken, das ich auch nicht mehr tun konnte. Schuhe binden? Nein. Eine Telefonnummer aufschreiben? Nein. Die Maus am Computer benutzen? Nein. Die Tastatur? Nein. Ein Email beantworten? Nein. Auf der Post die vergessene Absenderadresse auf ein Paket schreiben? Nein.
Die Liste wurde länger und länger. Ein verflixter Teufelskreis bahnte sich an: Weil es mir so unangenehm war, mich mit meiner doofen Krankheit zum Aussenseiter zu machen, biss ich oft die Zähne zusammen und schrieb einen Termin selber in meiner Agenda auf. Und hinterher zahlte ich dann mit sinnlosen Schmerzen dafür.
Als zweites musste ich herausfinden, warum Folter so effektiv ist, wenn man jemanden zu einem Geständnis zwingen will. Unter extremen Schmerzen bist du bereit, alles zu gestehen. Man ist bereit, alles zu tun oder zu sagen, wenn es nur diesen Schmerzen ein Ende setzt. „Ja, ich bin eine Hexe und ich treibe es mit dem Teufel, da habt ihr es. Jetzt lasst mich runter von diesem Scheiterhaufen!“
Aber wenn du so den Schmerzen kein Ende setzen kannst, dann willst du nur noch eines: sterben. Meine Krankheit zeigte sich resistent gegen alle möglichen Therapien und Heilungsversuche und das war vielleicht der Grund, warum sich mein Geisteszustand noch mehr verdunkelte. Was, wenn du stirbst und der Schmerz hört nicht auf? Was, wenn du so leiden musst bis in alle Ewigkeit?
Und ich bin ja nicht einer, der gross an Gott glaubt. Ich bin eher ein Wissenschafts-Nerd. Und als solcher glaube ich, dass wir ganz einfach nicht wissen, was nach dem Tod kommt. Vielleicht kommt gnädig das Nichts. Vielleicht spaziert man durch einen langen, dunklen Tunnel mit einem hellen Licht am Ende, während einem ein Engel zur Seite schwebt. Vielleicht trifft man die heilige Jungfrau auf einer Wolke oder vielleicht trifft man sogar 72 Jungfrauen, die alles andere als heilig sind, wie die Terroristen glauben. Vielleicht ist es einfach Licht aus, fertig. Oder vielleicht ist es noch etwas ganz anderes, etwas, das wir uns nicht einmal vorstellen können. Woher soll ich das wissen?
Mir war es egal, ich wollte nur, dass die Schmerzen aufhören. Buddha soll gesagt haben, dass man leidet, solange man lebt, weil Leiden und Leben untrennbar miteinander verknüpft sind. Wer lebt, der leidet. Punkt. Nach dieser Logik müsste man eigentlich das Leben beenden, um das Leiden zu beenden. Warum also hat Buddha nicht einfach Selbstmord gemacht, sondern gleich eine Weltreligion gegründet, obschon sich das doch nach viel mehr Arbeit anhört?
Ganz einfach weil Selbstmord nichts bringt, wenn man an die Wiedergeburt glaubt. So sicher wie den Lebenden der Tod ist, so sicher ist den Toten das Leben. Selbstmord ist da reine Symptombekämpfung, du wirst nämlich einfach wieder geboren, wahrscheinlich sogar noch auf einer tieferen Stufe mit noch mehr Leiden, weil so ein Selbstmord nicht gerade viel gutes Karma anhäuft.
Und dann ist man im nächsten Leben ein Hamsterhaustier und strampelt sich im Laufrad ab und kommt doch nicht vom Fleck. Tagsüber möchtest du schlafen wegen all den Laufradkilometern die ganze Nacht, doch das geht nicht, weil deine Besitzerin mit Zahnspange im Gesicht und Seifenfingern auf den Händen allen Schulfreundinnen vorführen muss, was für ein putziges Kerlchen du bist. Dass das keine Zukunft ist, hat Buddha schon vor Jahrtausenden erkannt. Die Lösung, die ihm vorschwebte, war viel grundsätzlicherer Art als ein lausiger Selbstmord. Er würde das Problem bei der Wurzel packen und mit einer Art von karmischem Suizid den Ausstieg aus dem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt selbst erzielen. Was für ein Plan! Man muss den Mann bewundern für seinen Wagemut und Pioniergeist.
Bei aller Liebe zu radikalen Lösungen, war ich mir doch nicht sicher, ob das auch für mich in Frage kommt. Ich meine, man prüft natürlich immer alle Möglichkeiten, aber was, wenn das mit der Wiedergeburt gar nicht stimmt? Es gibt ja Leute, die lassen sich hypnotisieren und reisen so zurück in ein früheres Leben, wo sie die Tochter eines Pharaos waren. Das müssen enorm viele gewesen sein. Pharaos, meine ich. Wie sonst könnten so viele Leute heute deren Töchter gewesen sein? Persönlich hätte es mir nichts ausgemacht, im nächsten Leben ein Hamster zu sein, wenn ich nur Julias Haustier sein würde. Das schien aber alles von mehreren schwer zu kontrollierbaren Faktoren und ungewissen Voraussetzungen abzuhängen, also blieb nur noch der klassische, christliche Selbstmord.
Aber auch von dieser Seite drohte erneut Ungemach, sprich ein Leben nach dem Tod. Man streift ja gemäss Bibel nur seine sterbliche Hülle ab, der Rest geht weiter und man trifft irgendwann seine lieben Leute im Himmel wieder. Und dann geht sicher die Fragerei los. „Warum Selbstmord? Warum nur? Hat es wirklich keinen anderen Weg gegeben?“
Ich wollte absolut sicher sein, dass ich im unwahrscheinlichen Fall eines Lebens nach dem Tod nicht mit solchen Befragungen konfrontiert werde. Also wählte ich den „anderen Weg“. Doch um mein Leben zu retten, habe ich drei Dinge tun müssen, die kein Mensch tun würde, der mit Vernunft ausgestattet ist. Zum Glück bin ich kein solcher Mensch. Das hat mir das Leben gerettet.
Und so beschloss ich, ein Buch für Julia zu schreiben. Wo doch dauernd geklönt wird, dass niemand mehr Briefe schreibt heutzutage. Julia machte zu der Zeit gerade ein Austauschsemester in Madrid und ich blieb zu Hause in Bern, also hatte ich viel Zeit, in der ich sowieso sehnsüchtig an sie denken würde. Wenn das Buch fertig ist, drucke ich es aus und lasse es im Kopiergeschäft binden, damit es halbwegs wie ein richtiges Buch aussieht. Und dann reise ich nach Madrid und werfe es ihr an den Kopf.
So ist das vorliegende Werk entstanden. Im ersten Teil steht die Geschichte von Julia und mir. Der zweite Teil enthielt ursprünglich eine fiktive Geschichte mit Julia und mir, die in Madrid spielt. Als ich dann wirklich nach Madrid reiste, waren die wirklichen Ereignisse eigentlich viel besser als meine erfundene Geschichte, deshalb habe ich für diese Neuausgabe den zweiten Teil durch meine Tagebucheinträge aus jener Zeit ersetzt. Aber so ist das ja oft, die Wirklichkeit ist viel besser im Geschichten Erfinden als ich. Ein paar Dinge habe ich aber auch erst jetzt geschrieben und einiges wurde gelöscht, um das Buch lesbarer zu machen für jemanden, der weder uns kennt, noch an der Universität Bern Psychologie studiert hat.
Entstanden ist eine Geschichte über die Liebe, warum sie nicht ewig dauern kann und warum sie trotzdem nie aufhört. Das ist also alles eine wahre Geschichte mit richtigen Menschen, nicht einmal die Namen habe ich geändert – nur damit sich beim Lesen jeder peinlich berührt fühlt. Das nennt man dann einen „Schlüsselroman“. Alle Ähnlichkeiten mit toten oder lebenden Personen sowie realen Handlungen und wahren Ereignissen sind alles andere als zufällig, aber letztlich unwichtig und irgendwie auch verjährt. Die Reihenfolge stimmt vielleicht nicht überall ganz und dem armen Nico wurden auch ein paar Dinge in den Mund gelegt, die er so nicht alle gesagt hat. „Aus dramaturgischen Gründen“ wie sie in Hollywood so schön sagen, wenn der Verfilmung wahrer Ereignisse grosszügig eine Liebesgeschichte und ein Happy-End spendiert wird.
Übrigens schreibe ich nicht in der Ich-Form, weil ich mich für eine besonders interessante Person halte. Das Problem ist ganz einfach, dass ich nicht weiss, wie ich sonst eine Geschichte für ein ganzes Buch auftreiben sollte. Im Erfinden von Geschichten bin ich leider furchtbar schlecht, aber trotzdem war es immer mein Traum, Schriftsteller zu werden. Darum überlasse ich es dem Leben, die Geschichten zu erfinden. Ausserdem ist die Ich-Form die einzige Möglichkeit, aus der Innenansicht zu erzählen. Das ist ja das blöde an den Innenansichten, man kennt immer nur die eigene. Es ist aber gut möglich, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, eine viel spannendere Geschichte erlebt haben. In diesem Fall möchte ich Sie ermutigen, es mir gleich zu tun und ein Buch darüber zu schreiben. Bitte senden Sie es mir, wenn Sie fertig sind, ich werde es in meinem nächsten Leben gerne lesen.
Meine Reise nach Madrid mag ein kleiner Schritt für die Menschheit gewesen sein, aber es war ein grosser Schritt für mich. Ein sehr grosser. Das Abenteuer meines Lebens. Die echten Personen möchte ich um Verzeihung bitten, dass sie hier auf literarische Figuren reduziert werden. Es ist eine Erinnerung und keine abschliessende Würdigung ihres Charakters. Es ist auch kein Zeugnis zuhanden des Jüngsten Gerichts oder anderen jenseitigen Veranstaltungen.

Der Klappentext des Originalbuches las:

„Julia – endlich ist es soweit! Ich habe mein erstes Buch geschrieben. Eigentlich wollte ich es dir nicht zu lesen geben, weil ich fürchte, dass es dir vielleicht zu weit geht oder auch zu nah kommt ...
Jetzt ist es aber schon allein durch die Vorbestellungen auf allen Bestsellerlisten gelandet und ich bin ein richtiger Schriftsteller geworden! Du weisst, für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Und da hat es mich dann doch auf einmal gedünkt, es gehört jetzt fast zum Anstand, dass ich dir auch ein Exemplar gebe – schliesslich dreht sich das Buch ja nur um dich, Julia.“

Das mit den Bestsellerlisten war natürlich gelogen. Das mit dem richtigen Schriftsteller auch. Aber jetzt, nach zehn Jahren, wo die ganze Geschichte verjährt ist, will ich noch einmal einen Anlauf wagen. Und eigentlich kann ja gar nichts mehr schiefgehen. „Das Parfüm“ von Süskind wurde von 24 Verlagen abgelehnt und wurde später ein Bestseller. „Schlafes Bruder“ von Schneider wurde von 30 Verlagen abgelehnt und wurde später ein Bestseller. So gesehen müsste mein Buch ein noch grösserer Erfolg werden, weil es sogar von hundert Verlagen abgelehnt wurde. Noch besser, ich habe es gar nie einem Verlag geschickt! Ha.
Nein, im Ernst. Das Buch ist natürlich noch nicht ganz druckreif, es ist eigentlich nur ein Manuskript. Was fehlt, ist ein kompetentes Lektorat, das noch einmal jeden Satz auf die Goldwaage legt und den Patienten auf Vordermann bringt. Habt ihr jemals bei einem Buch die Danksagungen gelesen? Da werden manchmal furchtbar einschüchterlich lange Listen mit Namen aufgeführt, fünfzig Leute, die alle irgendwie dazu beigetragen haben, dass das Geschriebene der Leserschaft zumutbar ist – dafür garantiert bei mir niemand.
Mein Text hat zahlreiche Korrekturdurchgänge hinter sich, aber die eignen Augen sind leider für manche Fehler blind – erst recht bei einem Text, den man selber verfasst hat. Ein spezielles Programm für Rechtschreibung und Grammatik kam ebenso zum Einsatz, doch findet auch dieses längst nicht alle Fehler. Man muss sogar aufpassen, dass es nicht jede sprachliche Eigenwilligkeit einem sachlichen Korrespondenzstil anpasst. Und dann gibt es genügend Fehler, die ich gar nicht korrigieren mag. Ich möchte mich bei allen Lesern für allfällige und sicher zahlreiche Fehler entschuldigen.
Die „Wie erstelle ich mein erstes eBook?“-Ratgeber sagen alle einhellig, man soll sich auf keinen Fall bei den Lesern für etwaige Fehler entschuldigen. Oje, schon zu spät. Entschuldigung, dass ich mich entschuldigt habe. Noch schlimmer sei nur, wenn man als Begründung „schliesslich zählt der Inhalt“ anfügt. Stattdessen soll man sich an ein professionelles Lektorat wenden. Das würde ich gerne tun, aber ich fürchte, dass die Kosten dafür weit höher sind, als was das Buch je an Ertrag einbringen wird. Also heisst es, man soll wenigstens einen Freund bitten, sich der Sache anzunehmen. Aber ich bin noch nicht einmal sicher, ob ich überhaupt möchte, dass meine Freunde dieses Buch lesen. Danke an Silvia, die es trotzdem auf sich genommen hat! Somit bin ich halt gezwungenermassen ein waschechter Indie-Autor. Schliesslich zählt der Inhalt.
Feedback und Fehlermeldungen von Lesern sind daher willkommen und können direkt an mich gesendet werden (stgr@stgr.ch). Ich werde sie ausdrucken und unter vorbei fahrende Autos werfen. Ich befinde mich – oder besser gesagt: das Buch befindet sich jetzt einfach an dem Punkt, wo ich es entweder so veröffentliche, wie es jetzt ist – oder ich warte noch einmal zehn Jahre. Als Künstler muss man immer aufpassen, dass man Perfektionismus nicht zum Feind der Kreativität werden lässt.
Dabei könnte Schreiben so schön sein. Man sitzt da und lässt seine Gedanken spielen, während im Hinterkopf immer noch der Deutschlehrer waltet und ohne Unterlass bestürzt ausruft „neiin, Stefan, wo denken Sie hin!“ Ich habe heute noch Albträume und finde mich plötzlich in dem grauen Gymnasium wieder. Es ist Samstagmorgen und der Deutschlehrer sagt zu der Klasse: „Nehmen Sie ein grosses A4-Blatt hervor!“ Das sagte er sogar in echt, aber ich dachte immer, dass alle A4-Blätter gleich gross sind. Immerhin wäre es eine gute Idee für eine Papeterie, um in der Krise das Angebot zu diversifizieren: „Kaufen Sie bei uns! Wir haben A4-Blätter in allen erdenklichen Grössen! Grosse A4-Blätter, kleine A4-Blätter, wir haben sogar runde A4-Blätter!“
Wir sollten eine Erörterung zum Thema Bildung schreiben und bei mir gab es irgendwo eine Stelle, wo ich sagte, ein Fussballspieler sei auch gebildet, da das Training ja auch eine Form von Bildung ist. „Neiin, Stefan, wo denken Sie hin“, rief der Lehrer voller Bestürzung, „ein Fussballspieler ist doch nicht gebildet!“
Vielleicht hat dem Lehrer in seiner Jugend mal ein Fussballspieler die Freundin ausgespannt, dachte ich und beschloss, dass es das Beste wäre, nicht weiter in der Wunde herumzustochern. „Matthias: 1800 Worte; Sebastian: 2300 Worte, 2300! Stefan: 350 Worte“, sagte der Lehrer und zückte eine Tabelle hervor, „da kann ich einfach keine genügende Note geben.“
Zählt der im Ernst die Worte in jedem Aufsatz und stützt die Note darauf?, dachte ich. „Nein“, sagte er, „ich zähle die Worte nur auf der ersten Seite und schätze es dann für den Rest ab.“
Lieber ehemaliger Deutschlehrer. Ich hoffe, Sie lesen dieses Buch. Einer Ihrer ehemaligen Schüler hat es geschafft und einen Bestseller geschrieben. Sind Sie jetzt stolz auf mich? Es tut mir leid, dass ich immer so frech war und keine langen Aufsätze schreiben konnte. Ich habe die Worte auf der ersten Seite dieses Buches und auf allen anderen Seiten gezählt (das geht ja heutzutage ruckzuck) und es sind genau 89‘094. Sie hätten sicher nicht einmal gedacht, dass ich überhaupt so viele Wörter kenne – zugegeben, es gibt ein paar Wiederholung (das Wort „Julia“ kommt zum Beispiel 396 Mal vor). Gibt das jetzt eine genügende Note? Apropos Not: Aus purer Not muss ich jetzt manchmal auch Lehrer sein und Geld verdienen. Und die Schüler sind immer noch so frech. Das nennt man wohl Karma. Falls Sie damals, als wir beide noch zusammen zur Schule gingen (Sie als Lehrer und ich als Pickel tragender Teenager), manchmal gehofft haben, dass ich auch einmal als armer Lehrer vor einer Klasse frecher und ungebildeter Fussballspieler stehen muss: Der Moment ist gekommen. Ich weiss jetzt wie es ist. Damals dachte ich, Sie wären aus purem Sadismus Lehrer geworden, damit Sie unschuldige Kinder mit Ihren Zwangsneurosen bedrängen können. Aber heute weiss ich, dass man Lehrer wird, weil man als Schriftsteller kein Geld verdient. Falls Sie eine anonyme Selbsthilfegruppe für Lehrer, zu denen ich frech war, gegründet haben, richten Sie es bitte allen anderen Mitgliedern auch aus, damit Frieden in die Welt einziehen möge. Es tut mir leid. Apropos anonyme Alkoholiker: Ich trinke noch immer jeden Abend, weil ich sonst nicht schlafen kann. Aber Sie sind jetzt schon seit drei Wochen nicht mehr in meinen Albträumen aufgetaucht. Ich hoffe, das heisst nicht, dass Sie krank sind. Wissen Sie noch, wie Sie mit uns den Aufbau von Goethes Werther analysiert haben? Das Buch ist irgendwie symmetrisch aufgebaut, mit dem Geburtsdatum des Autors als Spiegelachse und solche Dinge. Das macht gute Literatur aus, haben Sie uns gelehrt. Darum habe ich das hier jetzt auch so gemacht. Danke für den Tipp. Ich werde Ihr Buch mit dem unkomplizierten Titel „Moral und Konvention: Darstellung und Kritik ethischer Theorien“ in meinem nächsten Leben auch lesen. Vielleicht bin ich dann alt genug, um es zu verstehen. Richten Sie bitte Ihrer Frau meine besten Grüsse aus. Sie haben wenigstens eine.
Als ich mein Buch, dieses hier, heute, nach den zehn Jahren seit seiner Entstehung, zum ersten Mal wieder gelesen habe, erschien mir einiges sehr merkwürdig. Zum Beispiel das mit dem Stadtplan von Madrid. Warum musste dieser in kleine Quadrate unterteilt werden, um Julias Adresse zu finden (was dann noch nicht einmal gelang)? Warum habe ich nicht einfach auf Google Maps nachgeschaut?
Die Antwort ist ganz einfach, dass es Google Maps damals noch nicht gab. Wer hätte das gedacht? Der Dienst wurde erst 2005 gestartet, diese Geschichte hier spielt aber im Sommer der Liebe, womit hier der Sommer 2003 gemeint ist, der Sommer des Jahrhunderts. Eine Adresse zu finden war damals noch schwieriger als die Osternester zu finden, die mein Vater versteckte – und der war gut im Verstecken. Er wusste genau, wo wir nachsehen würden und wo wir nie darauf kommen würden, und genau dort platzierte er die Osternester.
Das vorliegende Buch ist auch ein bisschen ein Osternest, es ist nämlich voller Ostereier. Falls jemand nicht weiss, was Ostereier in einem Buch sind: es handelt sich um versteckte Zitate und verborgene Anspielungen – oder wie man sonst geklaute Ideen zum künstlerischen Konzept erheben könnte. Das trifft natürlich auf das Titelbild genauso zu. Das ist alles nur gestohlen und geraubt.

Entschuldigung, das hab ich mir erlaubt.
DEUTSCH

"Ich erkläre Julia die Liebe" ist ein autobiographischer Roman des Schweizer Künslters Stefan Grosjean.

Die erste Fassung des Buches wurde 2003 geschrieben und in einer Art Aktionskunst der grossen Liebe in Madrid überbracht.

Die vorliegende zweite Fassung wurde 2013 überarbeitet und um die wahren Geschehnisse im Sommer 2003 in Spanien erweitert. Es ist eine Geschichte über die Liebe, warum sie nicht ewig dauern kann und warum sie trotzdem nie aufhört.

Das vollständige Buch ist zur Zeit nur als eBook und nur in Deutsch erhältlich. Der kostenpflichtige Download enthält folgende Formate:

.mobi für die Anzeige auf Kindle-Geräten oder mit der Kindle-App bzw. Kindle-Software
.epub für die Anzeige mit freien eBook-Readern wie Aldiko, iBooks oder freien Programmen wie Calibre
.pdf für den Druck optimiert (106 A4-Seiten, zwei Spalten)

Das Importieren der Datei ist von Plattform zu Plattform verschieden und für unerfahrene Anwender nicht vorbehaltlos zu empfehlen. Support wird zur Zeit nicht angeboten, aber mit einer entsprechenden Internetsuche findet man diverse Anleitungen. Völlig unproblematisch ist natürlich das Ausdrucken der pdf-Datei.  Auf Android funktioniert das Importieren in Kindle zum Beispiel so: 1) Kindle-App gratis aus dem Google Play Store herunterladen. 2) Die mobi-Datei in den Ordner namens "kindle" kopieren. 3) App starten und lesen.

Das Werk umfasst ein Vorwort und zwei Teile zu je 20 Kapiteln. Die Kapitel im ersten Teil sind mit in Deutsch ausgeschriebenen Zahlen betitlet ("eins", "zwei", "drei" usw. bis "zwanzig") und erzählen die Liebesgeschichte im Rückblick. Der zweite Teil spielt in Madrid und schildert, was bei der Übergabe des Buches passiert ist. Die Kapitel tragen hier entsprechend Spanische Titel ("uno", "dos", "tres" usw. bis "veinte").

Bis Ende 2014 wird auf deviantART jede Woche ein neues Kapitel kostenlos veröffentlicht.



ENGLISH

"Ich erkläre Julia die Liebe" ("I declare my love to Juliette") is an autobiographical novel by Swiss artist Stefan Grosjean.

The book was originally written in 2003 but has been revised and extended in 2013 and is now published for the first time.

The story is about love, why it can not last forever, and why it still never ceases.

The book is currently only as digital download and only in German available.
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:iconarmus001:
armus001 Featured By Owner Jun 28, 2014  Hobbyist Artisan Crafter
is there a version in English I can translate to spanish
Reply
:iconmacfrank:
MacFrank Featured By Owner Feb 16, 2014  Hobbyist
Wow, ich bin beeindruckt. Freue mich darauf!
Reply
:iconalexandergras:
alexandergras Featured By Owner Feb 14, 2014
Sollte es nicht heißen, "I explain love to Juliette"? Ansonsten müsste es auf Deutsch doch heißen: "Ich erkläre Julia _meine_ Liebe".
Reply
:iconstefangrosjean:
stefangrosjean Featured By Owner Feb 16, 2014
Das hab ich mich auch gefragt. Es gibt im Deutschen diesen wunderbaren Doppelsinn von 1) "jemandem etwas erklären" = zeigen, wie es funktioniert und 2) "jemandem die Liebe erklären" = ein Liebesgeständnis. Im Buch geht es irgendwie darum, dass ich die Liebe gerade nicht erklären kann (im 2. Sinn), indem ich sie erkläre (im 1. Sinn). Ich weiss nicht, ob man das überhaupt befriedigend übersetzen kann, weil "explain" = nur 1. Sinn und "declare" = nur 2. Sinn ... vielleicht kommt man noch eine bessere Idee.
Reply
:icondarkstar58:
darkstar58 Featured By Owner Feb 14, 2014  Hobbyist Photographer
Ein toller Fotograf, und jetzt auch noch ein Schriftsteller... ich werde neidisch. Hoffentlich werde ich bald Zeit haben, alle Kapitel zu lesen. Viel Glück mit dem Buch, und mögen wir dich bald auf den Bestseller Listen finden.
Ich finde es irgendwie sehr mutig von dir, hier einen Teil deines Lebens (ich meine damit die Geschichte deiner Schmerzen) so öffentlich zur Schau zu stellen. Sehr gefühlvoll geschrieben. Ich habe seit 20 Jahren MS, also kann ich mir ziemlich gut vorstellen was du durchmachst.
Reply
:iconbaphometh666:
Baphometh666 Featured By Owner Feb 14, 2014
I'll wait for the english version.
Many congrats anyway, it must be a masterpiece like all your works!
:clap:
Reply
:iconstefangrosjean:
stefangrosjean Featured By Owner Feb 16, 2014
thank you. I wish English was my first language ... it's difficult to produce literature with a second (or third) language ... I hope there will be an English version one day, but since the book is almost a 100'000 words long, this will take a lot of time :-)
Reply
:iconbaphometh666:
Baphometh666 Featured By Owner Feb 16, 2014
I perfectly understand you.
I'm italian and my English is really poor, sometimes I'm in trouble just writing comments on DA, could you figure how can I write a book? heheee...
I wish you will find a collaborator that can translate it for you. ;p

Reply
:iconkenny-da-malk:
kenny-da-malk Featured By Owner Feb 13, 2014
Osterei: 'Das ist alles nur gestohlen und geraubt. Entschuldigung, das hab ich mir erlaubt.' - Prinzen :)

Hört sich interessant an, die Geschichte. Viel Erfolg. Und vielleicht finde ich einmal die Zeit, das ganze Buch zu lesen.
Reply
:iconstefangrosjean:
stefangrosjean Featured By Owner Feb 13, 2014
:-)
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