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“I'm only waiting for death to come.” That’s what my grandmother said to me after she turned 90 last summer. It broke my heart and I said to myself: “I'm never going to start another fight with her again.” Then I began to look back on my life and I wondered why our relationship never was any closer. Ever since I've been a teenager I’m taking friendly fire from her. That's how I feel. She didn't like my friends, she didn't like my haircut, she didn't like what I was wearing, she didn’t like my music, she didn’t like my skateboard. For all my life I have been holding a shield on my left arm so she cannot hurt me with her words. The bullets hitting the metal have been a constant noise of my life. But I couldn't conform to her values. She hated homosexuals and she was against anyone who didn't believe in her god. I sacrificed our relationship in order to become a decent human being. At least that’s what I thought. But of course that is exactly what she does not like about me: indecency. And now it's too late and I only feel sad because I feel like it has been too late right from the beginning. Is not taking her serious the only way I'm able to have a relationship with her? Are we both just to stubborn? Can I reach out to her as long as she's still alive?
„Warum hat man nicht jede Stadt so gebaut?“ Das war mein Gedanke, als ich zum ersten Mal nach Venedig kam. Kanäle statt Strassen, Boote und Gondeln statt Busse und Autos, Brücken und Treppen statt Fussgängerstreifen und Ampeln. Die Haustüren führen einfach ins Wasser hinaus. Ich stellte mir vor, wie der durchschnittliche Berufsmensch  am Morgen sein Aktenköfferchen packt, Frau und Kinder zum Abschied küsst und schwungvoll durch die Türe geht - und mir nichts dir nichts ins Wasser fällt. "Schatz, was ist passiert? Jemand hat unsere Garage gestohlen und die ganze Strasse steht unter Wasser!"
Venedig hat diese surreale Wirkung auf mich. Mein Hirn raunt mir ständig zu: "Das ist nicht die Realität, das ist nicht die Realität." Jede Brücke scheint hinüber zu führen in eine andere Welt, die schmalen Gassen sind voll unerwarteter Biegungen und bilden ein Labyrinth, in welchem man jede Orientierung verliert. Oft genug endet ein vermeintlicher Durchgang einfach an einem der kleineren Kanäle. Erstaunt steht man am Wasser, zieht die Augenbrauen hoch und kehrt um. "Das ist nicht die Realität." Jede Stadt hätte man so bauen sollen.
Die Wahrheit ist natürlich, dass niemand freiwillig eine Stadt ins Wasser bauen würde. Es macht alles so viel schwieriger. Venedig entstand nur aus der grössten Not heraus, wie man aus den Geschichtsbüchern erfährt. Die Menschen, welche vor über tausend Jahren auf dem benachbarten Festland lebten, wurden immer wieder von Horden überfallen und geplündert. Das muss auf die Dauer mühsam geworden sein, weshalb die Leute begannen, sich in die Sümpfe zu verziehen. Das ist eines der Geheimnisse Venedigs, das sich nicht sofort erschliesst. Die Stadt ist eigentlich nicht ins Meer gebaut, sondern in den Sumpf, in die sogenannte "Lagune". Man kann heute noch an verschiedenen Orten in der Umgebung sehen, wie auch Venedig vor der ersten Besiedlung ausgesehen haben mag: Ein natürliches System von unzähligen kleinen Inseln aus Schlamm und Sand, zwischen denen hindurch sich zahlreiche Wasserwege schlängeln. Venedig wurde also nicht einfach ins Wasser gebaut wie es die Pfahlbauer gemacht hätten, vielmehr wurden bestehende Inseln befestigt, um darauf Häuser zu errichten, während bestehende Wasserrinnen zu Kanälen erweitert wurden. Das Bild unten zeigt eine Satellitenaufnahme einer Stelle, die etwa acht Kilometer nördlich von Venedig liegt. Das System von Kanälen und Inseln wurde von der Natur geschaffen. Vergleicht man es mit dem Grundriss von Venedig, kann man sich leicht vorstellen, dass es dort einmal ganz ähnlich ausgesehen haben mag.





In Kalifornien, bei Los Angeles, gibt es übrigens ein zweites Venedig, welches "Venice" genannt wird. Angeblich war die Frau des Erbauers eine grosse Bewunderin des italienischen Vorbildes, weshalb er zu ihr sagte: "Aber Schatz, genau dasselbe kannst du doch auch hier haben." Und so wurde "Venice" gebaut, mit künstlich angelegten Kanälen.
"Aber ihm war schon klar, dass es nicht 'genau dasselbe' ist?", denkt man beim ersten Besuch. Vergleichen wir einmal die beiden „Venice“ miteinander auf den Bildern unten. Die Kanäle des kalifornischen Venice bilden ein rechtwinkliges Gitter wie es üblich ist für amerikanische Städte, die am Reissbrett entstanden sind. Die Kanäle des italienischen Venedig dagegen sind ein Labyrinth, entstanden durch das Wasser, das sich seine eigenen Wege gesucht hat. Das eine ist die Kopfgeburt eines Planers, das andere ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von Zufall und Naturkräften.





Und trotzdem hat auch das vom Wasser geschaffene Labyrinth so etwas wie eine Systematik, auch wenn es nur die Abwesenheit einer planerischen Systematik ist. Der "Canal Grande" in Venedig hat die Form eines grossen, spiegelverkehrten 'S', es gibt dort keine rechten Winkel, es gibt dort eigentlich überhaupt keine Winkel, denn das Wasser bewegt sich in Wellen, Kurven, Bögen und Biegungen. Es gibt aber auch keine Kreise, denn ein Kreis zeichnet sich dadurch aus, dass der Radius immer derselbe bleibt. Doch die Schlangenlinien des Wassers ändern ihren Radius, ihre Krümmung andauernd, aber sie tun es auch nie ruckartig, sondern auf eine sehr harmonische Art und Weise.
Die einzigarte Schönheit der venezianischen Architektur wurde durch den Schutz des Wassers ermöglicht. Im Vergleich zu anderen Städten Europas, die ebenfalls im ausgehenden Mittelalter errichtet wurden, ist die Bauweise Venedigs auffällig leicht: Keinen Stattmauern, keine befestigten Burgen, keine Zinnen, keine Schiessscharten. Dafür farbige Fassaden, gotische Bögen, orientalische Verzierungen und ein exzessiver Hang zu Verschnörkelungen.
Venedig brauchte keine Befestigung zu sein, weil es einen viel besseren Schutz hatte: die Lagune. Die Stadt mit einer Armee einzunehmen gestaltet sich schwierig: Pferde und Soldaten sinken mit jedem Schritt im Schlamm ein, Boote und Schiffe sind gezwungen, den wenigen Fahrrinnen zu folgen, die dafür tief genug sind. So oder so kann man sich nur sehr langsam annähern und gibt damit eine Zielscheibe ab, die kaum zu verfehlen ist.

Haben die Verzierungen der Seufzerbrücke eine entfernte Verwandtschaft mit den natürlichen Bögen und Kurven der Kanäle?



Kompositionen aus harmonischen Kurven findet man in Venedig überall, nicht nur in den Wasserlinien im Schlamm der Lagune, sondern auch in den prächtigen Verzierungen der venezianischen Kirchen, Kuppeln und Palästen, in den Bögen der Brücken, in den Verschnörkelungen der Inneneinrichtungen und des Mobiliars, in den Rundungen der Bettköpfen und den Spiegeln, ja sogar im Formenreichtum der Karnevalsmasken. Vielleicht ist es ein Teil von dem, was mich so betört an Venedig. Denn es ist das, was mich so betört am Körper der Frau. Unten habe ich einmal mit grün auf zwei Fotos von mir eingezeichnet, wo sich „Parallelen“ zwischen den Verzierungen traditioneller venezianischer Möbel und dem weiblichen Körper ergeben.





Ich gebe zu, dass der Vergleich von Wasserrinnen über Architektur und Möbel zu den Kurven des weiblichen Körpers sich nicht unbedingt aufdrängt. Vielleicht ist es sogar etwas an den Haaren herbei gezogen. Aber ich glaube, wenn man es sehen will, dann kann man es erkennen. Irgendwo zwischen den Zeilen. Im Labyrinth.
A photographer like me who portrays beautiful women is sometimes accused of damaging people. Why? Because we raise the bar for everybody to an unhealthy level. We give wrong expectations of how you or a partner worthy of you are supposed to look. We use all the tricks to make the people in the pictures always look perfect and beautiful how can a normal person keep up with this?

Well, from my point of view the answer is simple, maybe too simple for you: you don't have to keep up with this. In a funny way I face the same problem as you, but from the other side: how can I keep up with you? You have not only your looks, you have your own unique way. You have your personality, your style. You have your way of walking and talking. You can make a real connection with somebody. You can touch them. You can make them feel your caress. You can make their heart pound.

How can I as a photographer keep up with this? I only have a stupid picture, how can I make someone's heart pound? Because I have this limitation I have to use all the so-called "tricks": I take a model who is considered to be beautiful and put her in a beautiful location to make her even more beautiful. Then I set up the lights very carefully to make her even more beautiful. Out of thousands of photographs we pick the most beautiful in the end and then I use Photoshop to make that photo even more beautiful.

I don't do this to tell you: "if you want somebody to fall in love with you, you have to look like this". It won't work. I'm saying: "if somebody falls in love with you they will see you like this". I'm not a photojournalist documenting reality. I'm trying to be an artist doing impressionistic photography. We are documenting a different reality here, a certain state of mind, if you will. With my pictures I want to seduce people to see other people with other eyes. I want to seduce you to look at someone and simply say: "oh my God."

At the risk of sounding like some cheap would-be Guru on television, I'm giving a piece of advice: If you're trying to outcompete others in being more beautiful (or getting a partner who is), your life will be a race without a finish line. There is always someone who is more beautiful.  In the end you will be exhausted and frustrated and maybe as lonely as ever. I want you to forget about worrying how you can make somebody fall in love with you. I simply want for you to fall in love. And I want you to think about it not as a weakness but as your biggest strength. Love is not about being in control it is about losing control. If you're not afraid to do that this will be your superpower even in times of rejection and heartbreak. But I'm not saying it's easy.

If you're still wondering how to make somebody fall in love with you I can only tell you that I don't have the answer. Maybe you were made to think being beautiful will do the trick but I don't think so. Maybe people don't love you because they think you are beautiful, maybe they think you are beautiful because they love you.

What are your thoughts and experiences?

"None", some say. I've read this once in a magazine article about porn. They argued showing genitals isn't erotic at all. "A truly erotic picture doesn't show anything and leaves everything to your imagination", it went on. As a good example they gave the love scene in the car from the movie Titanic.
For those of you who haven't seen the movie here's how much naked skin you see in this scene:



It's nothing but a hand against a foggy glass, but in the context of the movie it expresses all the passion there is. This is a very beautiful scene, there is no question about it. Here's the question I asked myself: Is everyone who wants to see more than a hand on foggy glass really a pervert? That was exactly what the article was suggesting. But isn't it a little steep? And: can you expect from a movie like Titanic the ultimate answer?

Let's pretend for a moment you can. I don't know if the guys from the magazine article saw the whole movie but there is actually another interesting scene where Rose asks Jack to draw her nude:



The scene is followed by this dialog:
Old Rose: My heart was pounding the whole time. It was the most erotic moment of my life. Up until then, at least.
Lewis Bodine: So what happened next?
Old Rose: You mean, did we "do it"? Sorry to disappoint you Mr. Bodine, but Jack was very professional.

Doesn't it seem like Rose and Jack are much more liberal regarding drawing nudes, including breasts and genitals?

What is your opinion about this? Is less always more? Do you also have an idea about what is truly erotic? Do you also draw a line somewhere? Do you also call people perverts who cross this line? When you can see more does it truly mean there is nothing left for imagination? Do you think this is only your personal opinion or do you think it is common sense?

Why don't you write down your thoughts in the comments?

I have created a small animated clip about sexual exploitation of nude models. Follow this link to watch it on youtube:

www.youtube.com/watch?v=DLQBAO…

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Der süsse Wahnsinn der zwischenmenschlichen Anziehung

Im Alltag ist unser Denken meist instrumentell. Wir tun Dinge, um damit etwas zu erreichen. Wir gehen zur Arbeit, damit wir Geld verdienen können. Wir stehen am Morgen auf, damit wir zur Arbeit gehen können. Wir gehen am Abend bei Zeiten zu Bett, damit wir am Morgen aufstehen können. All das sind instrumentelle Handlungen, Mittel zum Zweck.
In diesem Zusammenhang ist es vielleicht interessant, sich zu überlegen, woher das instrumentelle Denken kommt. Studiert man das menschliche Verhalten, so fällt auf, dass vieles davon in rudimentären Formen schon bei Tieren angelegt ist. Gesang und Tanz sind aufschlussreiche Beispiele. Gibt es das bei den Tieren auch? Nein, beides ist eine menschliche Kulturleistung. Und trotzdem singen und tanzen auch Tiere, besonders wenn es um das Balzverhalten geht.
Grillen zirpen, um Sexualpartner anzulocken, viele Vogelarten vollführen einen Balztanz,  offensichtlich aus demselben noblen Anlass. Fortpflanzung funktioniert nur mit einem Partner, also muss ein solcher angelockt werden. Sogar Blumen duften nur aus diesem Grund, obwohl man hier anmerken muss, dass Pflanzen seit jeher sehr sesshafte Lebewesen sind, was dem Anlocken von Sexualpartnern naturgemäss enge Grenzen setzt. Als Pflanze kann man nicht schnell in den Nachbarsgarten pilgern, um sich dort zu holen, was für die Fortpflanzung nötig ist. Also haben die Pflanzen ein bemerkenswertes Kurier-System erfunden, bei welchem Insekten als Boten auftreten. Die Pracht der Blütenblätter, der Duft des Nektars - all das ist nur dazu da, um die Insekten-Kurierdienste anzulocken, welche dann freundlicherweise die Befruchtung übernehmen. Man könnte fast meinen, dass alles, was wir Menschen als "schön" bezeichnen, irgendwie aus dem Kreis der Fortpflanzung stammt. Blumen, Musik, Mode - alles kann man auf diese Weise interpretieren. Merkwürdig ist allerdings, dass Menschen ausgerechnet ihre Geschlechtsteile als nicht besonders schön einstufen. Ein Hodensack ist für die meisten einfach ein schrumpfliges Stückchen Haut, dessen Behaarung ebenso spärlich wie drahtig ausfällt. Ich weiss nicht, ob die Menschheit überlebt hätte, wenn man alleine damit einen Partner anlocken müsste.
Obschon die Insekten nicht gerade unsere nächsten Verwandten im Tierreich sind, greifen auch Männer gerne auf Blumen zurück, um potenzielle Partnerinnen zu umwerben – der Anblick der Geschlechtswerkzeuge scheint dagegen eine eher abschreckende Wirkung zu haben ...

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich damit ja nur zeigen, dass menschliche Verhaltensweisen oft eine Entsprechung im Verhalten der Tiere haben. Aber wenn sich die Kunst aus dem Balzverhalten heraus entwickelt hat, woher kommt dann das instrumentelle Denken? Woher kommt die Vernunft?
Ich sage: von der Angst. So wie das Balzverhalten der Tiere der Ursprung von Kunst sein mag, so ist vielleicht das Angstverhalten der Ursprung der Vernunft: Aus Angst wurde Vorsicht, aus Vorsicht wurde Voraussicht, aus Voraussicht wurde Vernunft, aus Vernunft wurde instrumentelles Denken.
Es besteht kein Zweifel, dass wir Menschen der Vernunft viel zu verdanken haben. Ohne instrumentelles Denken könnten wir nicht überleben. Und trotzdem hat dieser Modus einen grossen Nachteil, der sich aus seiner stammesgeschichtlichen Herkunft ergibt.
Aus der Angst entsteht nämlich niemals Lust, sondern höchstens Vermeidung der Angst. Und auch aus der Vernunft entsteht keine Lust - sondern leider immer noch nur Vermeidung von Angst. Die Vernunft besitzt ganz einfach diese Kraft nicht, sie kann dieses Gefühl nicht erzeugen, diese Entgrenzung, diese Erfahrung der Ganzheit.
Dazu braucht es mehr als Vernunft. Dazu braucht es ein Denken, das über den Schatten der Angst springen kann.

Unser Professor für Pathopsychologie hat einmal gesagt: Verliebtheit ist die einzige Form von Wahnsinn, die sozial akzeptiert ist.
Ergänzend sollte man vielleicht hinzufügen: Wir brauchen diesen Wahnsinn dringend, den nur dadurch können wir uns lösen aus dem Korsett der Angst. Vernunft wird immer nur die Isolation reproduzieren, der sie entstammt. Das ewige Trauma der Evolution.
Aber wenn man nicht nur überleben will, wenn man darüber hinaus auch noch leben will, dann braucht man eine um den Wahnsinn erweiterte, sozusagen „ganzheitliche“ Vernunft - dann braucht man den süssen Wahnsinn der zwischenmenschlichen Anziehung.

Denn darum sind wir Meschen, weil "Fortpflanzung" für uns nie nur der Versuch ist, sich wie eine Pflanze zu benehmen. Für uns ist es immer auch der Versuch, aus unserer Isolation auszubrechen und etwas zu erleben, das jenseits unserer Beschränktheit liegt. Nie öffnen wir uns so sehr, als wenn wir verliebt sind, und nie sind wir stärker auf das zurückgeworfen, was wir wirklich sind. Auch sexuelle Erregung kann einen Modus im Gehirn aktivieren, der das Gefühl der Isolation überwindet. Und darum lieben wir, darum leiden wir, darum leben wir. Amen.
Schon als Kind habe ich diese mutigen Leute bewundert, die freiwillig nach Afrika gehen, um dort gegen die Armut zu kämpfen. Wäre das nicht auch meine Pflicht? Auch ich sollte helfen, saubere Brunnen zu errichten, über AIDS aufzuklären und Bäume zu pflanzen, damit sich die Wüste nicht weiter ausdehnt. Natürlich fehlte es mir an Entschlossenheit. Alles zurück zu lassen, um eine harte und schwierige Arbeit auf einem anderen Kontinent anzutreten, wirkte auf mich abschreckend. Ich hatte sehr ernsthafte Zweifel, ob ich den Strapazen wirklich gewachsen wäre. Was, wenn mich die Moskitos auffressen, die Skorpione niederstechen, und Tretminen aus dem Bürgerkrieg meine Beine abreissen?
Immerhin war mein schlechtes Gewissen gross genug, dass ich nach dem Studium eine Arbeit im Umweltschutz suchte. Umweltschützer sind nämlich in der Regel auch Leute, die für mehr Gerechtigkeit kämpfen, schliesslich geht es bei beidem darum, eine bessere Welt für uns alle zu ermöglichen. Wir haben dort ja viel mit sogenannten „Labels“ gearbeitet. Das sind so etwas wie „Gütesiegel“, welche den Konsumenten garantieren sollen, das die entsprechenden Produkte biologisch oder eben „sozial verträglich“ hergestellt wurden. Bekannt ist zum Beispiel das „Max-Havelaar“-Label.

Wie ich an dieser Stelle schon berichtet habe, wurde mir kürzlich wegen meinen Aktfotos bei der Umweltschutz-Organisation gekündigt. Vielleicht habe ich ja jetzt die Zeit, eine Idee zu verwirklichen, die mir schon lange im Kopf herum geht: „Fair Deal Labels“ für die Erotik-Branche. Ein solches Label könnte beispielsweise den Konsumenten gegenüber garantieren, dass folgende Kriterien eingehalten wurden:

- Keine Ausbeutung
- Alle Modelle sind über 18 Jahre
- Gute Bezahlung
- Transparente Verträge
- Freiwilligkeit

Als ich mit Ariel in Venedig am arbeiten war, habe ich ihr beim Pizza-Essen von dieser Idee erzählt. Auf dem „Canal Grande“ liessen sich japanische Touristen herum gondeln und Ariel sagte: Aber das ist doch eigentlich schon überall Standard.
Da hat sie recht. Die Erotik-Bilder, die sich der Bünzli am Abend vor dem Einschlafen auf dem Compi anguckt, sind in der Regel „sozial verträglicher“ produziert worden, als die Hosen, die er am Morgen beim Aufstehen anzieht, als der Kaffee, den er zum Zmorge trinkt und auch als die Banane, die er zum Znüni mitnimmt.
Sie finden das erstaunlich? Ja, die Welt steckt voller Überraschungen! Aber was hatte das für meine glanzvolle Idee zu bedeuten? Sollte ich sie unter Abgesang wüster Lieder in der Lagune versenken?
Etwas hielt mich zurück. Denn obschon die Erotik-Branche viel besser ist als ihr Ruf, so gibt es doch eine grosse, grosse Unfairness – aber diese kommt von ausserhalb der Branche.
In meiner Arbeit mit Erotik-Modellen habe ich immer versucht herauszufinden, ob und inwiefern diese Frauen Opfer von Ausbeutung sind. Aber auch wenn man ganz gezielt danach fragt, will keine bestätigen, dass sie das nur macht, weil sie „wirtschaftlich gezwungen“ ist. Keine will sich „erniedrigt“ fühlen, weil man ihre nackten Brüste fotografiert, und den Lohn finden sie im Vergleich zu anderen Jobs gut bis sehr gut. Das trifft auch auf die Hardcore-Szene zu.

Wenn man heute hinsteht und „Fair Deal“ für die Erotik-Branche fordert, dann muss es in der Hauptsache um eines gehen: Schluss mit der gesellschaftlichen Diskriminierung.
Würden all die Leute, die sich heimlich im „Inkognito-Modus“ des Browsers Erotik-Bilder ansehen, öffentlich dazu stehen, so gäbe es kaum noch Diskriminierungen, denn man müsste sich endlich eingestehen, welcher Beliebtheit sich Erotikbilder erfreuen. Wer schaut sich das Zeug an? Es sind eure Söhne, eure Ehemänner und eure Brüder. Es ist der Student von nebenan und der Bürogummi von gegenüber. Es ist euer Lehrer aus der Grundschule und euer Chef vom Arbeitsplatz. Es ist der Lehrling in eurem Betrieb und es ist euer Hausarzt. Jene, von denen „man es nie gedacht hätte“ kommen genauso in Frage wie der Erotik-Konsument aus dem Bilderbuch mit Bierbauch und Halbglatze. Da kann man eigentlich nur noch sagen, was der Dichter zu sagen pflegt: „Betet, denn unserer sind viele!“

Der Schulleiter, der am Abend beim Surfen auf Erotik-Seiten Nacktbilder einer Lehrerin aus dem eigenen Kollegium findet und sie dann deswegen entlässt – das ist die sexuelle Ausbeutung der Frau. Fair Deal Erotica hingegen gibt den Frauen, die sich fotografieren lassen, ihre Würde wie sie auch den Männern, welche sich die Bilder ansehen Würde gibt. Schliesslich haben es beide Seiten nicht nötig, sich an dubiosen Geschäften die Finger schmutzig zu machen.
Natürlich haben mir meine Freunde vorgeworfen, dass es dumm war, meine Aktbilder unter meinem richtigen Namen zu veröffentlichen ist das ja gerade der Grund, warum ich meinen richtigen Namen verwende. Ich will damit ein Zeichen setzen. Ich will euch damit sagen: Wenn ihr diese Frauen schlecht behandelt, dann behandelt ruhig auch mich schlecht. Das ist meine Form von „Fair Deal Erotica“.

Das ist mein Afrika.
Aktfotografie ist derart beliebt, dass man sich fragt, warum es nicht noch viel mehr Leute gibt, die in diesem Bereich arbeiten. Welche Schwierigkeiten stehen denn im Wege?
Eine Reihe von Gründen kommt als Antwort in Frage: Anschaffung und vor allem Beherrschung der richtigen Ausrüstung, Umgang mit Kamera, Objektiven und Licht, ausfindig machen geeigneter Modelle, Kommunikation mit denselbigen, Ideen für Posen, überhaupt Ideen für Shootings, ein Auge für Komposition, Suchen und Finden fotogener Locations, an denen man mit einem nackten Modell überhaupt arbeiten kann, solide Photoshop-Kenntnisse, sehr viel Zeit ... und dergleichen mehr.
Aus meiner Sicht ist aber etwas anderes die grösse Schwierigkeit bei der Aktfotografie, etwas, das wir noch gar nicht erwähnt haben: der Umgang mit der Diskriminierung.
Als Aktfotograf muss man ständig kleinere und grössere Benachteiligungen in Kauf nehmen, man ist immer wieder mit Vorurteilen und mit Ablehnung konfrontiert. Meine extremste Erfahrung in dieser Hinsicht ist wohl, dass ich vor zwei Wochen von meinem Job als "Abfalllehrer" gefeuert wurde.

Hier die Kurzfassung: Fotografie ist zwar meine wichtigste Beschäftigung, aber ich verdiene damit bis jetzt kein Geld. Meinen Lebensunterhalt und meine Kunst finanziere ich mit verschiedenen Jobs, davon ist meine Arbeit als Umweltpsychologe meine wichtigste Einnahmequelle. In diesem Rahmen habe ich auch als "Abfalllehrer" für die Umweltschutzgesellschaft PUSCH (Praktischer Umweltschutz Schweiz, www.pusch.ch) gearbeitet. Während vier Jahren habe ich rund 200 Schulbesuche abgestattet und dabei Dinge unterrichtet wie korrekte Abfalltrennung, die Wichtigkeit von Recycling, bewusster Konsum - eigentlich alles, was ins Kapitel "Sorge tragen zum Planeten" fällt. Ich habe meine Arbeit gut und gerne gemacht und mich für PUSCH engagiert.
Es gibt aber etwas, das mir noch mehr am Herzen liegt als ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Planeten und das ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der Sexualität. Und genau hier liegt das Problem. Die Leute von der Geschäftsleitung bei PUSCH hatten nämlich Angst, es könnte plötzlich negative Schlagzeilen geben, wenn sie einen Lehrer beschäftigen, der eine Webseite als Aktfotograf betreibt, weshalb ich schliesslich die Kündigung erhiehlt und mit sofortiger Wirkung frei gestellt wurde. Aber auch meine sexuallwissenschaftlichen Essays, die unter www.sex.stgr.ch
zu finden sind, wurden offenbar als anstössig empfunden.

Ich selber bin bei aller Sympathie für PUSCH mit diesem Entscheid überhaupt nicht einverstanden, und das habe ich auch so kommuniziert. Problematisch im Vorgehen von PUSCH ist nicht nur die Kündigung, welche aus meiner Sicht eine sexuelle Diskriminierung mir gegenüber darstellt, sondern auch das unglückliche Zeichen, das von diesem Entscheid ausgeht. Was sendet das für ein Signal an meine ehemaligen Schüler, wenn sie hören, dass ihr Abfalllehrer entlassen wurde, weil er Aktbilder macht und sich offen mit Sexualität auseinandersetzt?
Einen unbefangenen und verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität lehrt es jedenfalls kaum.
Viel eher signalisiert es, dass man Angst haben muss, über Sexualität zu sprechen. Was nur ist aus "Let's talk about Sex" geworden?
Aus Sicht der Jugendlichen wirkt es läppisch, wie einerseits Erotik in den Medien allgegenwärtig ist, und wie andererseits die Erwachsenen davor zittern, darüber zu sprechen. Das weiss ich aus meiner therapeutischen Arbeit an der Erziehungsberatung während meinem Studium.
Und wie oft wird beklagt, dass es zuwenig männliche Lehrkräfte gibt, aber wen wundert's, wenn von Lehrern erwartet wird, dass sie sich nicht nur in- sondern gerade auch ausserhalb der Schule stets als asexuelles Wesen zu präsentieren haben? Das ist erniedrigend und macht den Beruf für Männer nicht gerade attraktiv.

Ich habe mich in meinem Leben schon mit sehr vielen Akt-Modellen und Akt-Fotografen gesprochen, und jede und jeder von uns hat schmerzhafte Erfahrungen gemacht mit der gesellschaftlichen Intoleranz. Es ist, als ob die Leute zu einem sagen würden: "Du machst Aktbilder? Pfui, pfui, pfui! … kann ich die Bilder mit nach Hause nehmen?"
Überraschend ist diese Doppelmoral freilich nicht. Die Gesellschaft tut sich mit allen Aspekten der Sexualität schwer, die nicht im Dienste einer geordneten Fortpflanzung stehen. Das ist normal. Darunter müssen die Schwulen, die Lesben, die Bisexuellen, die SM-Leute, und – soweit Aktfotografie mit Erotik zu tun hat – eben auch die Leute aus diesem Bereich leiden.

In der Schweiz und anderen westlichen Ländern ist es vor allem den Schwulen vorbildich gelungen, sich ein Stück weit zu emanzipieren. Davon können die Leute aus der Akt-Szene nur träumen.
Wenn ich damals vor meine Freunde und vor meine Familie hingestanden wäre, und gesagt hätte: "Liebe Leute, ich muss euch etwas beichten, ich bin nämlich schwul, ich stehe auf Männer!" – dann hätten alle (vielleicht mit Ausnahme meiner Grossmutter) gesagt: "Und wo ist das Problem?"
Niemand hätte gesagt: "Ich bin total enttäsucht von dir!" oder "ich kann ihm nicht mehr in die Augen sehen!"
Aber wenn man hingeht und sagt, "ich liebe erotische Fotografie, ich stehe auf Frauen!", dann scheinen die Leute ihre Manieren zu vergessen.
Aus diesem Grund arbeiten in der Schweiz praktisch alle unter falschem Namen, und die Modelle  trauen sich nicht, auf den Fotos ihr Gesicht zu zeigen. Man sieht das bei so vielen Leuten, diese Heimlichkeit, diese Schuldgefühle, diese Angst, den Partner, die Familie oder die Stelle zu verlieren, wenn jemand heraus findet, welches Eigenleben die eigene Sexualität führt. Es ist, als ob die Leute in einem Boot sitzen und alle eine Maske tragen, und wenn einer seine Maske herunter nimmt, dann wird er von den anderen über Bord geworfen. Aber wer hat etwas davon?

Der Umgang mit der alltäglichen Diskriminierung – das also ist aus meiner Sicht das Schwierigste an der Aktfotografie. Nicht wenige Psychologen glauben, dass die Erotik die verletzlichste Stelle jedes Menschen ist, und als Erotik-Fotograf muss man den Nerv haben, diese Stelle ständig zu exponieren, obschon man schon im Voraus weiss, dass von verschiedenen Seiten darauf geschossen werden wird.
Nun, ich bin Künstler und ich habe in meinem Leben von zwei Wegen immer denjenigen gewählt, vor dem ich mehr Angst hatte – ein Vorgehen, das ich übrigens allen empfehlen kann, die sich mit ihren Ängsten auseinandersetzen wollen. Es ist immer wieder faszinierend zu erleben, was dabei heraus kommt.
Die Kündigung hat für mich nämlich nicht nur Nachteile. Da sie nicht vertragsgemäss erfolgte, muss mir PUSCH jetzt einen Jahresgehalt an Entschädigung zahlen. Somit steht mir wieder mehr Zeit für die Kunst zur Verfügung …

www.stefangrosjean.com
Heute wollen wir uns ein paar Gedanken zur Bildgestaltung machen. Als Einstieg dazu ein paar Skizzen mit Beispielen dafür, was ich als „harmonischen Schwingungen“ bezeichne:

Abbildung 1

Der Ausdruck "harmonische Schwingungen" lässt wohl eher an die Harmonielehre aus der Musik denken denn an Bildgestaltung, aber es geht eben hier wie dort um Kurven. Ein reiner Flötenton zum Beispiel hat – wenn man seine mathematische Funktion anschaut – die Form einer Sinuskurve. Und nehmen wir dann einen zweiten Flötenton hinzu, welcher mit dem ersten harmoniert, so sehen wir, dass sich auch in den zugehörigen Sinuskurven Harmonien ergeben. Entspricht der Tonabstand zum Beispiel einer Oktave, so hat die Sinuskurve des höheren Tones exakt doppelt so viele Kurven. Seit Jahrtausenden fasziniert diese Überlappung von Harmonie und Mathematik, von Sinnlichkeit und Sinn, von Fühlen und Denken die Künstler und Philosophen auf der ganzen Welt. Das hat Anlass zu teilweise sehr blümeranten Spekulationen gegeben, so schwärmten einige, die Welt sei von Gott in solcher Perfektion erschaffen worden, dass alle Sphären harmonisch zusammen geigten. Mathematik hatte eine quasi-religiöse Bedeutung, da man meinte, sie offenbare die göttlichen Gesetze.
Man hat natürlich auch versucht, in der bildenden Kunst so etwas wie eine Harmonielehre aufzustellen, entsprechende Abhandlungen sind dort aber eher unter dem Begriff "goldener Schnitt" zu finden. Le Corbusier, der schweizerisch-französische Architekt, glaubte zum Beispiel, dass der menschliche Körper solche harmonischen Proportionen enthalte. In der Folge begann man Gebäude zu bauen, deren Breite zur Höhe im selben Verhältnis steht wie der Oberarm eines Menschen zu dessen Unterarm.
Der goldene Schnitt im engeren Sinne ist aber geometrisch-mathematisch definiert und lässt sich mit dem Verhältnis 1.618 beziffern - aber so genau wollen wir das jetzt gar nicht wissen. Wir werfen jetzt nämlich einfach alles in einen Topf, rühren kräftig um und lassen es auf kleiner Flamme einkochen.
Wir haben das natürlich schon ein bisschen vorbereitet (wie es in den Kochsendungen immer so schön heisst), und bei unserem Eintopf ist folgendes heraus gekommen:
Eine Harmonielehre der Kurven des weiblichen Körpers, welcher sich für solche Studien als besonders dankbar erweist.
Man müsste ein extremer Nerd sein, um jetzt auch hier nach mathematischen Formeln zu suchen, aber auch das wurde schon gemacht. Wir hingegen wollen uns einfach mal von der Anschauung her dem Thema annähern.

Abbildung 2

Abbildung 2 zeigt vier "Kurven", die (mit Ausnahme der zweiten Kurve) durch fünf Punkte definiert sind. Diese Kurven werden „Splines“ genannt. Der erste Spline ist der Lineare-Spline, das ist einfach die gerade Verbindung der fünf Punkte. Die zweite Kurve ist ein Bezier-Spline, bei welchem die Möglichkeit besteht, die Linie nicht nur durch Punkte sondern zusätzlich durch Radien (Mehrzahl von Radius) zu bestimmen.
So kommen schon Rundungen ins Spiel, aber wer viel mit Bezier-Kurven arbeitet, der weiss, dass sie oft nicht so harmonisch geraten. Dieses Problem taucht vor allem auf, wenn man viele „Ankerpunkte“ setzen muss (zweiter Spline). Durch eine Reduktion der Ankerpunkte entsteht eine gleichmässigere Form (dritter Spline). Bei den jeweils aktivierten Punkten in Bezier-Spline 1 und 2 sind die schwarzen Griffel sichtbar, mit denen Radius und Richtung angepasst werden können. Aber auch die nicht aktivierten Punkte verfügen über Radius und Richtung.
Am harmonischsten jedoch sieht die vierte Kurve aus, die dem sogenannten „B-Spline“ entspricht. Diese Linie ist zwar auch nur durch fünf Punkte definiert, aber die Linie geht nicht zwangsläufig durch die Punkte hindurch. Es ist eher so, wie wenn die Kurve magnetisch wäre und von den Punkten angezogen würde, aber auch eine gewisse Festigkeit hätte, und deshalb ein bisschen Widerstand leisten würde.
Es gibt natürlich eine mathematische Formel für B-Splines, anders könnte ein Computerprogramm wie Cinema 4D (mit dem diese Abbildung erstellt wurde) keine solchen Splines anfertigen (Photoshop kann leider so oder so keine B-Splines ziehen, dort hört der Spass bei der Bezier-Kurve auf).

Wie man solche harmonischen Schwingungen in der Aktfotografie für die Bildgestaltung nutzen kann, veranschaulichen folgende Bilder, deren Linienbilder wir bereits am Anfang gesehen haben (vergleiche Abbildung 1):


Abbildung 3

Aber was hat das überhaupt noch mit Erotik zu tun? Falls Sie zum Beispiel ein heterosexueller Mann sind und schon einemal das Vergnügen hatten, einer Frau nahe zu kommen, wird Ihnen vielleicht aufgefallen sein, dass diese Art der Begegnung mit einigen Vorzügen aufwarten kann, die auch das beste Erotik-Bild kaum zu bieten vermag: Die Wärme des Körpers, die Sanftheit der Haut, der Geruch der Haare, der Klang der Stimme, das Geräusch des Atems – überhaupt die Einmaligkeit des Augenblickes. Falls es Ihnen gelingt, sich ganz Ihrer Verzückung hinzugeben, werden Sie des weiteren bemerken, wie sich die ganze Umgebung zu einer harmonischen Komposition zusammenzufügen beginnt. Es mag eigentlich recht zufällig sein, was gerade am Radio gespielt wird. Auch ob es regnet oder nicht und wie das Licht zum Fenster herein fällt wird abhängig sein von Tages- und Jahreszeit und vom Wetter - aber all das erscheint Ihnen jetzt nicht länger als ein beliebiges und bedeutungsloses Zusammenspiel zufälliger Ereignisse, nein, es drängt sich vielmehr der Eindruck auf, dass alles so sein muss, dass alles perfekt ist, so wie es ist – die Eingangs erwähnten Schwärmer mit ihrem harmonischen Sphärenklang mögen sich in einem ähnlichen Bewusstseinszustand befunden haben.  

Voilà. Und wir als Künstler haben jetzt die Aufgabe, ein greifbares Unterpfand eines solch flüchtigen Augenblicks einzufangen. Schwierigkeiten sind da durchaus zu erwarten, aber man darf vielleicht auch anmerken, dass nicht nur das Gelingen, sondern auch das Scheitern an dieser Aufgabe einen künstlerischen Stil ausmachen kann.
Das also ist der wahre Grund, warum wir die Haut am Computer weichzeichnen: So versuchen wir, die Berührung der Haut, diese unendliche Weichheit, bildlich darzustellen.   
Aber was ist mit den anderen Sinnen? Wie könnte man die Wärme des Körpers bildlich umsetzen? Ich versuche das zum Beispiel, indem ich für die Tiefen und für die Mitteltöne (daraus besteht ja meistens der Körper) "warme" Farben (gelb bis orange) wähle, die ich dann durch kühle (blau bis cyan) Höhen kontrastieren lasse. Es gibt in meinen Bildern viele Ausnahmen hierzu, aber wenn Sie sich einmal achten, werden sie oft das Schema "warme Tiefen, kühle Höhen" erkennen.
Dann weiter. Was ist mit dem Geruch? Wie kann man ein Bild "parfümieren", das ja blöderweise nur aus Punkten verschiedener Farbe besteht? Hier spielt die Wahl des Models eine Rolle. Und was ist dann noch mit der plötzlichen Harmonie eines besonderen Augenblicks? An dieser Stelle kommt jetzt eben die harmonische Gestaltung der Linien und des Bildes als Gesamtes ins Spiel, womit wir wieder zum eigentlichen Thema dieser Abhandlung zurück kehren.
Dass man es auch übertreiben kann, zeigt das letzte Bild. Die Linien hier mögen recht gut den harmonischen Schwingungen eines B-Splines entsprechen, der Körper wurde aber dadurch entstellt. Der linke Arm müsste an mindestens vier Stellen gebrochen sein, um eine solche Form zu erlangen. Wie aber die vorherigen Beispiele verdeutlichen, besteht für solche Gewaltanwendung meistens keine Notwendigkeit, obschon natürlich auch bei diesen die Pose korrigiert wurde.

Abbildung 4
Was ist Kunst und worin besteht ihre Aufgabe? Im Mittelalter hätte man vielleicht gesagt: In der Nachahmung der Natur. Das Denken der Menschen war damals von der Vorstellung geprägt, dass es in der Welt grundsätzlich zwei Sorten von Dingen gibt: Die Natur, das Natürliche und von Gott Geschaffene einerseits, sowie die Kunst, das Künstliche und von Menschen Geschaffene andererseits.
Während Jahrhunderten galt der Ehrgeiz der Künstler dem edlen Ziel, die Natur so gut wie möglich zu imitieren. Doch durch die Erfindung der Fotografie vor über hundert Jahren änderten sich die Bedingungen schlagartig. Jetzt war da eine Maschine, welche die Natur anscheinend präziser nachahmen konnte als jeder Maler.
Aber warum eigentlich wurde die Fotografie erst im 19. Jahrhundert erfunden und nicht schon früher? Natürlich weil die nötigen technischen Verfahren erst dann verfügbar wurden – würde man denken. Die "Camera Obscura" war aber schon seit dem 13. Jahrhundert bekannt und manche Kunsthistoriker behaupten denn auch, dass es einen anderen wichtigen Grund für das Aufkommen der Fotografie gibt, nämlich die Erstarkung des Bürgertums in jener Zeit.
Es war diese gesellschaftliche Entwicklung, so die These, die nach einem "objektiven" bildgebenden Verfahren verlangte, welches, anders etwa als die Malerei, die Dinge vermeintlich exakt so wiedergibt, wie sie tatsächlich sind.
Das Objektiv der Kamera begann fortan den Pinsel des Künstlers abzulösen und Portraits und andere Abbilder wurden immer häufiger nicht mehr von Malern angefertigt, sondern von Fotografen.
Unter den Künstlern machte sich aber auch eine gewisse Ernüchterung breit. Jetzt, wo die Nachahmung der Natur kein Problem mehr darstellte, erkannt man, dass damit auch Dinge verloren gingen.
Deshalb erteilte sich die Kunst eine neue Aufgabe: Die Darstellung des Nicht-Fotografierbaren, die Abbildung des Unsichtbaren. Also kamen die Impressionisten und zerlegten jeden Eindruck in eine zitternde Ansammlung farbiger Tupfer. Und dann kamen die Expressionisten und verlegten jeden Ausdruck in die Wiederholung abstrakter Muster.
Und dann kamen in Europa leider die Nazis und verbrannten beides als entartete Kunst. In der Aufarbeitung der Vergangenheit durch die Nachkriegsgeneration erhielten die Künstler dann eine neue Aufgabe. Die moderne Kunst sollte nun vor allem Eines: irritieren. Kunst sollte die Leute aufwecken aus ihrem dogmatischen Schlaf. Denn erst die Taubheit der Menschen, so dachte man, hat den Nährboden für den Faschismus geliefert.
Während in Europa von der Kunst noch immer erwartet wird, dass sie eine Irritation provoziert, ist  die Nachahmung der Natur zum gesamtgesellschaftlichen Programm erhoben worden. Die sogenannt "freie" Marktwirtschaft wird als ein quasi-natürliches System angepriesen, welches nach ähnlichen Prinzipien funktioniere, wie sie von Darwin in der Evolutionstheorie beschrieben wurden: Der Bestangepasste überlebt in der Natur, der Konkurrenzfähigste setzt sich am Markt durch. Der Unterschied zwischen Naturgesetzen und sozialen Gesetzen droht nicht erkannt zu werden.
Bei so viel auferlegter Natürlichkeit kriege ich als Künstler vor allem auf eines Lust: auf eine unbekümmerte Künstlichkeit. Dank der digitalen Fotografie gibt es heute so etwas wie  "impressionistische Fotografie", eine Fotografie, die nicht auf Dokumentation objektiver Gegebenheit ausgerichtet ist, sondern einen Eindruck oder eine Stimmung wiedergeben will. Es ist der Einzug der Fantasie und der emotionellen Tiefe in das ursprünglich mechanische Wesen der Fotografie, und es hinterfragt den bürgerlichen Anspruch, dass der einzige Zugang zur Wirklichkeit über eine alphabetische Katalogisierung der Wissbarkeiten zu bewerkstelligen ist.
Digitale Fotografie (einschliesslich der Bildbearbeitung am Computer) ermöglicht gewissermassen die Fotografierung des Nicht-Fotografierbaren, die Darstellung des Unsichtbaren.
Stellen sie sich als Beispiel vor, Sie sind verliebt in jemanden. Ihr Herz beginnt schon im Hals zu klopfen, wenn Sie nur ein Foto der geliebten Person sehen. Nun zeigen Sie das Foto einem Freund, aber der ist nicht verliebt und sein Herz bleibt unbewegt.
Und nun beginnen Sie nach Möglichkeiten zu suchen, den Eindruck, der die geliebte Person auf Sie macht, irgendwie mit auf das Bild zu bringen – und so entsteht impressionistische Fotografie.

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Als Künstler macht man zuweilen eine ziemliche Auseinandersetzung durch, von der das Publikum nicht unbedingt erfährt. Zwar hofft man, dass letztlich "all das" in verdichteter Form irgendwie Eingang in das fertige Kunstwerk findet, trotzdem muss man sich eingestehen: "manches bleibt in Nacht verloren"(1).
Darum habe ich mich entschieden, einen Blog zu starten. Ich will damit versuchen, von Zeit zu Zeit ein paar Dinge aus meiner Auseinandersetzung heraus zu greifen und aufzuschreiben – obschon ich mir natürlich bewusst bin, dass es kaum auf dasselbe Interesse stossen wird wie Bilder von schönen Frauen ... Man möge mir dafür verzeihen, wenn nicht alles druckreif ist.

Als ich noch an der Uni war, habe ich ja im Bereich der Sozialpsychologie geforscht, aber auch Soziologie, Kulturwissenschaften und Philosophie haben mich immer sehr interessiert. Aber wie gewinnt man eigentlich Erkenntnis in diesen Bereichen?
Wenn man sich mit Subkulturen befassen will, steht man schnell vor einem Dilemma: Um wirklich Einblick in eine bestimmte Subkultur zu gewinnen, muss man fast selber dazu gehören. Man muss eine solche Gruppe "von innen her" kennen lernen, man muss selber erleben, wie diese Menschen denken, wie sie leben, was sie antreibt und dergleichen mehr.
Und je besser einem diese "Perspektivenübernahme" gelingt, desto mehr läuft man Gefahr, aus einem anderen Grund wissenschaftlich zu scheitern: Plötzlich kann man die Dinge nicht mehr "von aussen" sehen. Aber wie will man als einzelner Mensch die Dinge möglichst gleichzeitig "von innen" und "von aussen" sehen?
Genau an dieser Stelle kommt der "eingeweihte Aussenseiter"(2) ins Spiel(3). In diese Rolle schlüpft man, um Einblicke in eine Subkultur zu gewinnen, ohne aber zu sehr in die Interessen der Gruppe verwickelt zu werden. Man erhofft sich auch, auf diese Art und Weise weniger anfällig für "Gruppendenken"(4) und "Gruppenzwang"(5) zu sein.

Mit diesem Ideal im Geiste habe ich schon Zugang zu verschiedenen "Subkulturen" gesucht, dazu gehören zum Beispiel Schwul-Lesbische Bewegungen, und verschiedene "Splitterschulen" innerhalb der Psychologie(6).

Und was hat das jetzt mit meiner sogenannten "Kunst" zu tun, mit meinen Fotos? Als Akt- und Erotikfotograf habe ich nun auch Zugang in eine Subkultur gefunden, die mich sogar noch mehr interessiert als die verschiedenen psychologischen Schulen. So habe ich Einblicke in die Porno-Branche in Los Angeles und Osteuropa gewonnen, ich habe mit sehr vielen Leuten gesprochen, darunter nicht wenige Porno-Darstellerinnen(7) – und es ist damit, wie es immer ist, wenn man sich öffnet, um die Dinge mit den Augen einer andere Person zu sehen: Es verändert den eigenen Standpunkt.

Als Künstler ist für mich aber auch etwas anderes enorm faszinierend: Die Reaktionen der Leute. Wenn man solche Bilder macht, wird man gehasst und geliebt – und es ist, als ob man einen tiefen Einblick in die Abgründe und Hoffnungen der Menschen werfen könnte.

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Anmerkungen:
1) Dieses Zitat stammt von Joseph von Eichendorff, dem bekannten Dichter der Spätromantik (der übrigens mein Lieblingsdichter ist).
2) Diesen Begriff habe ich von einer amerikanischen Philosophin übernommen, leider kann ich mich nicht mehr an ihren Namen erinnern.
3) Methodisch ist der "eingeweihte Aussenseiter" mit dem "teilnehmenden Beobachter" aus der Soziologie vergleichbar.
4) "Gruppendenken" bezeichnet die Anpassung der eigenen Meinung an die vermutete Meinung der Gruppe.
5) "Gruppenzwang" besteht, wenn eine Gruppe Druck auf Gruppenmitglieder ausübt, um sie zu bestimmten Handlungen zu bringen.
6) Dazu zähle ich zum Beispiel: Odermatt-Walther-Universtität OWU, Institut für Konfliktmanagement und Mythodrama IKM, Familienstellen mit oder ohne Bert Hellinger, und das psychologische Institut der Universität Bern. Wer sich mit Psychologie auskennt, der weiss, dass dahinter sehr verschiedene und teilweise auch widersprüchliche Denkströmungen stehen.
7) Dazu gehören zum Beispiel: Angel Dark, Jenny Lee, Prinzzess, Nessa Devil, Satin Bloom, Little Caprice, Ginger Lee.